Warum arbeitest Du eigentlich?

Warum arbeitest Du eigentlich?

15. Januar 2022

Warum tun wir eigentlich was wir tun? Warum arbeiten wir überhaupt? Auch wenn es in Deutschland und vielen anderen Ländern das bedingungslose Grundeinkommen noch nicht gibt, so ist es – zumindest in Deutschland – nicht notwendig zu arbeiten. Dafür sorgt der Sozialstaat. Sicherlich gewährleisten staatliche Zuwendungen keinen Luxus, aber das Minimum an finanzieller Versorgung ist gewährleistet. Also: Warum arbeitest Du eigentlich?

Wenn ich diese Frage in meinen Seminaren stelle, dann kommt in der Regel als eine der ersten Antworten: „Damit ich mir etwas leisten kann und etwas vom Leben habe.“ Aha … Und wenn ich dann weiter frage: “Und was wäre das?“ Dann werden in der Regel Luxusgüter, Reisen und andere Freizeitaktivitäten aufgezählt. Aber das kann ja nicht ernsthaft der Grund sein, warum wir in Deutschland 8 Stunden pro Tag an 5 Tagen in der Woche und häufig noch mehr unserer Zeit aufwenden, um 10-20 Tage im Jahr in Urlaub zu fahren und/oder 2-8 Stunden pro Woche ein Hobby zu haben … Das rechnet sich doch überhaupt nicht. 

Und selbst bei der Frage „Was würdest Du tun, wenn Du könntest wie Du wolltest? Geld spielt keine Rolle“ wollen über 80% der Seminarteilnehmer arbeiten. Sehr viele sogar in dem Job, in dem sie aktuell sind. Das sind natürlich keine repräsentativen Zahlen, sie decken sich jedoch mit erstaunlich vielen Forschungsergebnissen. Aber warum stehen so viele Menschen der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens so skeptisch bis feindselig gegenüber? Sie gehen schlicht und ergreifend davon aus, dass Menschen grundsätzlich faul sind und Leistung nur aufgrund eines äußeren Zwangs erbringen. Leistung wird in dieser Denkweise nur erbracht, wenn geleistet werden muss z.B. um zu überleben. Dieser Denke liegt das Prinzip „Leistung gegen Leistung“ zugrunde. Mit anderen Worten: Leistung gegen Belohnung, so wie wir es aus der Tierdressur kennen. Und, auch aus der Tierdressur bekannt: Minderleistung oder Leistungsverweigerung wird mit Leistungsverweigerung oder sogar Strafe sanktioniert.

Aber woher kommt eigentlich die Idee, dass wir nur für Belohnung arbeiten würden? Barry Schwartz, Psychologe und Professor of Social Theory and Social Action am renommierten Swarthmore College in Pennsylvania geht davon aus, dass seit mehr als 200 Jahren falsche Vorstellungen über das menschliche Verhältnis zur Arbeit die Gesellschaft prägen. Eben die Vorstellung, dass sich die Mühe der Arbeit lohnen muss. Schwartz führt diese Vorstellungen unter anderem auf den Erfinder des freien Marktes, Adam Smith zurück. Dieser schrieb in „Wohlstand der Nationen“ 1776: „Jedermann hat das Interesse, so bequem wie möglich zu leben, und wenn seine Einkünfte sich gleichbleiben, ob er gewisse mühsame Pflichten erfüllt oder nicht, so hat er sicherlich das Interesse, wenigstens nach den vulgären Begriffen von Interesse, sie entweder ganz zu vernachlässigen, oder, falls er einer Aufsicht untersteht, die dies nicht zugeben würde, sie so sorglos und lässig zu erfüllen, wie es die Aufsicht zulässt.“ Smith war der Ansicht, das Bequemlichkeit und Müssiggang grundsätzlich das Ziel menschlichen Strebens sei … Ein Jahrhundert nach Smith trat dann Frederick Winslow Taylor auf den Plan. In seinen Hauptwerken die 1903 und 1911 entstanden „Shop Management“ (1903) und „The Principles of Scientific Management“ (1911). Taylor trennt hier die Arbeitsabläufe voneinander. Zum einen unterscheidet er die ausführenden Prozesse, die der Arbeiter, und die leitenden Denkprozesse, die des Managements. Seinen Bekanntheitsgrad und die Durchschlagskraft seiner Ideen hat Taylor nicht nur seinen Büchern zu verdanken, das zum damaligen Zeitpunkt viel beachtete American Magazin publizierte seine „Grundsätze der Wissenschaftlichen Betriebsführung“ und machte seine Ideen so der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Diese Ideen beinhalteten auch ein Entlohnungsmodell, dass zu harter, schneller und exakter Arbeit anhalten sollte: das Akkordmodell ist geboren. Aber nicht nur das, auch das fern ab der Fließbänder übliche Bonifikationsmodell hat hier seinen Ursprung. Leistung muss sich eben lohnen.

Grundsätzlich ist an diesem Gedanken ja auch erst einmal nichts verkehrtes, die Frage ist nur: Was ist denn der richtige Lohn? Und wie kommen wir darauf, dass der richtige Lohn immer monitärer Natur sein müsste?

Barry Schwartz führt dies unter anderem auf die Arbeit von B.F. Skinner Mitte des 20. Jahrhunderts zurück. Skinner zeigte in Experiment mit Ratten und Tauben, dass Belohnungen in Form von Futter und Wasser die Leistungen der Tiere enorm beeinflusste. Kurz: viel Leistung = viel Belohnung = viel Leistung und umgekehrt.

Da ist der Weg der Schlussfolgerung nicht so weit: Leistung und Lohn hängen zusammen. Das bestreitet auch Schwartz nicht. Außerdem hat Smith ja auch schon in seinen Arbeiten deutlich gemacht, dass die Arbeit in einer Fabrik keinen Spaß macht, sondern einzig und allein gemacht wird, weil sie angemessen bezahlt wird. In vielen Fällen ist dies sogar richtig, aber die Frage – die auch Schwartz stellt – ist doch: Was war zuerst da? Das Huhn? Oder das Ei? Warum gibt es denn heute, gerade in den Industrienationen, so eine große Bewegung zurück zur Handarbeit, zum Handwerk, zu Weniger ist mehr? Weil Arbeit die aus Begeisterung entsteht einen anderen Wert hat …

Die menschlichen Bedürfnisse 

Etwa zur gleichen Zeit wie Skinner veröffentlichte Abraham Maslow seine sogenannte Bedürfnispyramide.

Das Modell der Pyramide ist ein Inhaltsmodell der menschlichen Bedürfnisse und bildet die verschiedenen Motivations- bzw. Handlungsmotive ab.

  • Erste Stufe: Physiologische Bedürfnisse. Hierunter fallen Essen, Trinken und Schlafen
  • Zweite Stufe: Sicherheitsbedürfnisse. Dazu zählen heutzutage unter anderen der Job, das Haus, Schutz und Versorgungssicherheit
  • Dritte Stufe: Soziale Bedürfnisse wie Zugehörigkeit, Freundschaft und Familie
  • Vierte Stufe: Individual Bedürfnisse. Wertschätzung und Anerkennung gehören in diese Stufe
  • Fünfte Stufe: Selbstverwirklichung
Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow

Die verschiedenen Stufen bzw. Bedürfnisse werden in zwei Hauptkategorien unterteilt: die Defizitbedürfnisse und die Wachstumsbedürfnisse. Stufe 1 – 3 gehören zu den Defizitbedürfnissen und Stufe 4 – 5 zu den Wachstumsbedürfnissen. Abraham Maslow ging davon aus, dass emotionale bzw. psychische Störungen auftreten, wenn die Defizitbedürfnisse nicht befriedigt werden, während die Wachstumsbedürfnisse nie final befriedigt werden können, da der menschliche Geist im Idealfall fortwährendem Wachstum unterliegt. Trotz der pyramidenförmigen Darstellung sagt das Modell nicht, dass immer erst eine Stufe vollständig erfüllt sein muss, um überhaupt auf die nächste Stufe zu gelangen. Vielmehr sind die Übergänge fließend und überschneiden sich.

In Bezug auf die Defizitbedürfnisse können die Arbeiten von Skinner und Maslow problemlos übereinander gelegt werden, wenn diese jedoch befriedigt sind, dann eben nicht mehr, da Skinner mit Tieren ausschließlich auf dieser Ebene gearbeitet hat. Und so verhält es sich auch mit den Theorien von Smith und Taylor. Beide sind nie über die Ebene der Defizitbedürfnisse hinaus gekommen.

Allerdings weiß man inzwischen, dass Wertschätzung und Anerkennung zwei unserer Haupttriebfedern menschlichen Handelns sind. Ausgehend von der Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow gehören Wertschätzung und Anerkennung zu den sogenannten Wachstumsbedürfnissen. So verkehrt lag Maslow also mit seiner Motivationstheorie nicht.

Bestätigt wird dies durch eine globale Untersuchung von Ed Diener, Professor für Psychologie an der Universität of Illinois. In seiner Untersuchung wertete Diener Daten der sogenannten Gallup World Poll aus den Jahren 2005 bis 2010 unter anderem zum Einkommen, zur Ernährung, zur Sicherheit und zu Gefühlen aus. Sein Team fand heraus, dass die von Maslow formulierten Defizitbedürfnisse überall auf der Welt erfüllt sein müssen, damit Menschen sich glücklich fühlen können. Allerdings spielten dann die Wachstumsbedürfnisse die entscheidende Rolle dabei, ob mehrheitlich positive Gefühle identifiziert wurden.

Dies lässt den Schluss zu, dass erfüllende Aufgaben uns glücklich machen und wenn wir es richtig angehen, dann erfüllt unsere Arbeit Stufe drei bis fünf unserer Bedürfnisse: denn Arbeit stiftet Sinn und Erfüllung.

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