Richtig Feedback geben: Wer sich ständig wiederholt, macht sich maximal unsympathisch …

Richtig Feedback geben: Wer sich ständig wiederholt, macht sich maximal unsympathisch …

28. Februar 2022

Vor ein paar Tagen bekam ich von einem geschätzten Kollegen die Frage, ob ich an seinem Feedback interessiert wäre. Und natürlich antwortete ich mit „Klar!“. Tatsächlich habe ich, wie vermutlich jeder Mensch, so meine Schwierigkeiten mit Feedback bzw. Kritik. Kein Wunder, werden wir dabei in unserem Tun doch immer infrage gestellt. Aber was solls. Ich bin schließlich Trainerin und Psychotante aus Leidenschaft. Also muss ich da auch mal durch. Außerdem schätze ich wertschätzende Rückmeldungen, nach dem ersten Beleidigtsein. Da ich ja doch recht häufig in meinem eigenen Saft koche und sich so die Möglichkeit ergibt, mal eine Sicht von Außen zu erhalten.

Grundsätzlich ist es für die Kritisierten bzw. Feedbackempfänger*innen immer schwierig. Das ist nur menschlich und verständlich. Niemand wird gern infrage gestellt. Ich auch nicht. Und auch, wenn wir wissen, dass in jeder Kritik, in jedem Feedback ein Ansatz zur Verbesserung steckt, fühlt es sich dadurch noch lange nicht besser an. Vor allem, wenn die Sender*innen immer wieder auf ihrem Kritikpunkt rumreiten. Was mir übrigens auch häufig passiert, wenn ich Feedback gebe. Es fällt mir unglaublich schwer meinen Punkt nur einmal klar zu formulieren und dann offen für das weitere Gespräch zu sein. 

So war es auch mit dem Kollegen, der mir vor Kurzem eine Rückmeldung gegeben hat. Trotz mehrfacher Nachfrage, was er denn lieber hätte, hat er erst einmal mehrfach seine Kritik wiederholt. Sehr schwierig für die andere Seite. Ich muss zugeben: Ich war nach der zweiten Nachfrage richtig sauer.

Aber wie in jeder Kritik steckte darin natürlich etwas Gutes. Mir ist nämlich zum ersten Mal der Mechanismus so richtig bewusst geworden. Eine Kritik – und nichts anderes ist ein Feedback – löst zunächst immer ein negatives Gefühl beim Kritisierten aus. Auch wenn die Kritiker*innen bei sich bleiben. Das heißt, dass sie aus der Ich-Perspektive formulieren z. B. „Mir ist aufgefallen, dass …“. „Ich bin der Meinung, dass …“ das hat mein Kollege super gemacht und trotzdem war ich nach seiner ersten Wiederholung echt angefasst. 

Wiederholungen haben in einer konstruktiven Kritik nichts verloren

Die US-amerikanische Radiomoderatorin und Kommunikationsexpertin Celeste Headlee beschreibt diese Kommunikationsgewohnheit, die übrigens fast alle Menschen haben, in ihrem Buch „We need to talk“ im Kapitel „No Repeats“ sehr eindrücklich. Sie beschreibt, wie sie einmal eine ihrer Redakteurinnen für eine schlechte Telefonschaltung während eines Interviews kritisierte. Obwohl die Redakteurin ihr bestätigte, dass die Leitung wie immer zwei Mal geprüft wurde und ihr sagte, dass während der Schaltung an der Leitung gearbeitet wurde. Darüber hinaus fragte die Redakteurin sogar, wie sie beim nächsten Mal vorgehen solle, damit so etwas nicht wieder passiert. Und trotzdem wiederholte Celeste ihre Kritik bis zu vier Mal, ohne einen Vorschlag für das nächste Mal zu machen. Das Ergebnis war, dass die Redakteurin später Celeste als unfair und überkritisch bezeichnete. Danach begann Celeste sich Notizen zu machen, wie oft sie negatives Feedback wiederholte. Und es war viel häufiger, als sie eigentlich dachte. 

Wiederholungen sind ein starkes rhetorisches Mittel. Im Positiven wie im Negativen. Mir ist es früher und manchmal noch heute häufiger passiert, dass ich in einer Auseinandersetzung mit meinem Mann sein aus meiner Sicht falsches Verhalten immer wieder wiederholt habe. Dabei hatte er schon längst zugegeben, dass ich recht hatte. Irgendwann hat er mich dann gefragt, ob ich ihn für dämlich halte. Er hätte durchaus begriffen, was ich ihm sagen wollte. Ich bräuchte es nicht ständig zu wiederholen … Sehr schwierig, wenn ich erst mal in Fahrt bin. Aber: recht hat er! 

Wiederholungen in Kritik- bzw. Feedbackgesprächen führen nur dazu, dass Dein Gegenüber richtig sauer wird. Ein Gespräch ist immer ein Aufbau, keine Wiederholung. Höre Deinem Gegenüber also genau zu und antworte auf das, was kommt. Wiederholungen führen zu gar nichts im Kritikgespräch. Sie erhalten, zementieren den Status quo und machen Dich im Zweifel maximal unsympathisch …

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