Optimal in den Burn-out optimiert …

Optimal in den Burn-out optimiert …

6. März 2022

Höher, schneller, weiter im Job: logo! 

Sportlich voll auf der Höhe? Na klar!

Nicht nur gesund, sondern auch noch politisch korrekt ernährt: selbstverständlich!

Maximale Quality-Time mit Familie und Freunden verbracht: aber sicher doch!

Effektiv entspannt für neue Leistungsfähigkeit? Natürlich!

Und doch fallen wir um wie die Fliegen. Das kann doch nicht sein … Wir sind doch optimal durchoptimiert oder nicht?

Die Antwort ist: eher nicht … Zumindest weisen die Fakten darauf hin. Der Anteil der psychischen Erkrankungen bei Krankschreibungen vervielfachte sich in den letzten 40 Jahren von zwei auf 15,1 Prozent. Damit ist diese Art der Arbeitsunfähigkeit bzw. Krankschreibungen, die noch vor 20 Jahren bedeutungslos war, auf Platz drei aufgestiegen. Dabei ist die Krankheitsdauer mit 36 Tagen in der Regel dreimal höher als bei anderen Erkrankungen, die durchschnittlich 12 Tage dauern. (Quelle BKK Gesundheitsreport 2016). Von der Frühverrentung ganz zu schweigen. Im Jahr 2015 gingen 40 Prozent mehr Menschen aufgrund seelischer Leiden in Frührente als noch 1993 … (Deutsche Rentenversicherung Bund: Rentenversicherung in Zeitreihen 2016)

Das kann doch nicht sein, oder doch? Wir belegen doch mehr Kurse und wissen viel mehr über unsere Psyche als jemals zuvor. Das mag sein, aber zum einen wird viel zu wenigen Arbeitnehmer*innen der Luxus zu teil überhaupt an Seminaren und Kursen zu „Burn-out-prävention“ und ähnlichen Themen teilzunehmen und was bei Seminarteilnehmer*innen häufig der Fall ist: Zwischen „Wissen“ und „Anwenden“ klafft eine gewaltige Lücke.

Freizeit- und Optimierungsstress belasten genauso wie Arbeitsstress

Sind wir doch mal ehrlich: Die meisten von uns – zumindest diejenigen, die freiwillig diesen Artikel lesen, – wissen ganz genau, wie man sich gesund und ausgewogen ernährt. Wir haben auch alle schon mal davon gehört, wie oft wir zum Sport gehen sollten, damit wir einigermaßen gesund bleiben. Außerdem wissen wir, dass ein intaktes Sozialleben der Gesundheit förderlich ist und das eine gewisse Art der geistigen Entspannung im Sinne von „Abschalten“ auch dazu gehört … Trotzdem kriegen wir es nicht hin.

Das liegt zunächst einmal an unseren Ansprüchen, die wir an uns und unser Leben stellen. Wir leben in einer verhältnismäßig neoliberalen Zeit, in der die Selbstverantwortung unser allgegenwärtiges Mantra ist. Wir sind für alles selbst verantwortlich: für eine perfekte Beziehung, für eine erfolgreiche Karriere, für einen entspannten Geist, für einen leistungsstarken Körper: gestählt durch Sport und befeuert durch die optimale Ernährung … Alles Gut, schön und richtig, aber in dieser Form nicht machbar! Wir können immer nur nach einem Ideal streben, werden es aber nie erreichen! Denn der Mensch ist nicht ideal! Das fängt bei unserem Körper an und hört mit unserem Geist auf.

Und unser Geist wird krank, wenn er ständig hinter einem Ideal her rennt, welches er nie erreichen kann. Viel sinnvoller ist, nach einem besseren Morgen zu streben. Und vor allem: sich klar zu machen, dass ich nicht alles gleichzeitig schaffen kann! Um dies zu verdeutlichen, nutze ich gern ein Säulenmodell, welches ich als „Natural Leadership Balance Modell“ bezeichne. Im Prinzip ist es ein Balance-Modell und zeigt, was wir mit 100 % Zeit und Energie schaffen können und wie wir immer wieder die einzelnen Säulen ausgleichen.

Säulendiagramm auf dem die Energieverteilung von Freizeit- und Jobaktivitäten dargestellt wird
Natural Leadership Balance-Modell: Wir haben nur 100% Energie. Diese sollten wir klug verteilen.

Es ist ganz einfach: Wenn ich mir vorstelle, dass 100 % Energie zur Verfügung habe und 100 % Zeit, dann muss ich Energie und Zeit aufteilen auf die fünf Hauptsäulen.

Die fünf Energie-Säulen des Natural Leadership Balance-Modells:

Familie & Freunde = Sozial Leben

Job = Lebensunterhalt & berufliche Verwirklichung

Entspannung = Hobby & Zeit nur für mich

Gesundheit = Sport/Ernährung

Sinn 

Je nach individueller Präferenz können sich die Säulen überschneiden. Zum Beispiel erleben viele Läufer die körperliche Betätigung gleichzeitig als sehr entspannend und als Zeit für sich. Yoga ist ein weiteres Beispiel, bei dem Entspannung und körperliche Fitness zueinanderfinden. Allerdings ist das nicht bei jedem so. Viele Menschen brauchen zusätzlich Zeit für sich, ohne es zu merken. Wichtig ist, dies für sich rauszufinden.

Grundsätzlich zeigt das Säulenmodell, das 100 % Zielerreichung bei allen fünf Säulen nicht möglich ist. Das ist aber auch nicht das Ziel! Das Ziel ist immer wieder neu zu schauen, welche Säule gerade zu kurz kommt und ob eine der Säulen viel zu viel Zeit und Energie zieht, ohne das wir es bewusst bemerkt haben. Außerdem geht mit diesem Modell die Frage einher: Muss das wirklich sein? Geht es mir wirklich besser, wenn ich xy mache? Oder mache ich xy aufgrund von Erwartungen, die nicht meine sind? Dahinter verbergen sich Erwartungen von Eltern, Nachbarn, Freunden und auch allgemeine gesellschaftliche Erwartungen, von denen wir uns nur sehr schwer lösen können. Beispielsweise ist ein schöner Garten durchaus eine Wohlfühloase. Wenn ich aber Gartenarbeit hasse wie die Pest und sich Arbeitsaufwand und Freude am Ergebnis nicht mehr die Waage halten, dann ist Gartenarbeit ein Stressfaktor. In diesem Fall sollte ich mir ernsthaft überlegen, die tadelnden Blick der Nachbarn auszuhalten und einfach einen Wildwuchs Garten mein eigen zu nennen. Ein weiteres Beispiel ist Sport. Finde ich Sport wirklich entspannend und gesundheitsfördernd? Oder will ich damit nach außen etwas darstellen, was mir vielleicht gar nicht so entspricht, aber gesellschaftlich anerkannt ist? Bei mir funktioniert am besten die Frage: Ist der Sport für mich da? Oder bin ich für den Sport da? Ist mein Garten bzw. die Gartenarbeit für mich da? Oder bin ich für die Gartenarbeit da? Diese Art der Fragestellung zeigt mir immer wieder, wo ich in die Perfektionsfalle tappe.

Das sind nur ein paar Beispiele, wie ich das Balancemodell nutzen kann. Letztendlich geht es darum zu begreifen, dass ich beim Tun immer wieder Freude empfinden sollte. Ist das nicht der Fall, muss ich die Vorgehensweise ändern. Sonst entsteht negativer Stress. Und die Vorgehensweise muss regelmäßig geändert werden. Schließlich ändern wir uns ja auch laufend oder nicht?

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