Macht macht blöd

Macht macht blöd

28. März 2022

Warum Führungskräfte nicht zuhören und langsam verblöden …

Lernen tun wir immer dann, wenn uns etwas interessiert, oder wenn wir wissen, dass wir durch das Lernen  besser werden. Blöd nur, dass wir, wenn wir in Machtpositionen gelangen, unser Können systematisch überschätzen. Und das ist sogar mehrfach nachgewiesen …

Im Prinzip geht es in der Schule schon los: Lehrer haben Macht über ihre Schüler und können sie – auch wenn es heute schon weniger ist als noch vor 50 Jahren – zu vielem zwingen. Manchmal subtil, manchmal weniger subtil. Und es sind nicht nur Lehrer. Machtgefüge greifen in allen gesellschaftlichen Bereichen, selbst in der Familie. Die Lehrer unter den Lesern mögen mir verzeihen, dass ich sie als Beispiel genommen habe. Ich hätte genauso gut die Eltern/Kind Beziehung nehmen können. Denn auch hier gibt es Machtverhältnisse, die sich auf unser Verhalten auswirken. Zum Beispiel beim Zuhören eine unserer wichtigsten Lernformen überhaupt. Wie oft haben wir selbst Sätze gehört wie „Du hörst mir jetzt mal zu!“ Oder „Hast Du mir nicht zugehört?“ Wenn wir ehrlich sind, dann haben wir diese Sätze auch selbst schon zu unseren Kindern gesagt. Und wie bei so vielen Dingen die wir sagen, waren sie gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Denn solche Sätze entstehen oft aus Machtpositionen heraus.

Worauf ich hinaus will, ist, dass wir schon früh lernen, was Macht bedeutet und wie man sich machtvollen Personen gegenüber zu verhalten hat. Genauso lernen wir, dass machtvollen Personen eher zugehört werden muss. Die Revoluzzer unter uns schließe ich jetzt mal aus 😉 Wie Macht genau entsteht und warum manche Personen eher nach Macht streben und manche nicht, soll hier nicht weiter beleuchtet werden. Die Frage ist: Was macht Macht mit unserer Fähigkeit zuzuhören?

Unsere Fähigkeit zuzuhören sinkt mit zunehmender Macht

Eines Vorweg: Unsere Fähigkeit, wirklich zuzuhören, sinkt mit zunehmender Macht. Darüber sollte sich jede Führungsperson klar sein. Je mehr Macht wir haben, umso weniger emphatisch sind wir und umso mehr glauben wir recht zu haben. Diese Zusammenhänge sind tatsächlich sehr gut erforscht. Beispielsweise haben US-amerikanische Forscher herausgefunden, dass Menschen mit Macht eine ganz andere Realität haben als Menschen ohne. Menschen ohne Macht beschäftigen sich nach dieser Theorie eher mit den Bedürfnissen anderer, sie sind sensibler für Bestrafungen und sind insgesamt mehr auf Gerechtigkeit in der Gruppe fokussiert. Menschen mit Macht legen den Fokus mehr aus sich selbst und ihre Ideen. Sie halten Belohnungen, die sie erhalten, für angemessen und fordern Bevorzugung sogar aktiv ein. Forscher an der Universität Berkleley haben dazu ein spannendes Experiment mit bemerkenswertem Ergebnis gemacht.

Drei Versuchspersonen wurde während einer Befragung ein Teller mit Keksen gereicht. Dabei ging es nicht um die Befragung. Es ging um die Kekse. Die Kekse konnten nicht gerecht aufgeteilt werden. Ein Keks musste übrig bleiben. Blieb er aber nicht. Denn die Personen, die vor dem Experiment auf ein Machterlebnis geprimed wurden, nahmen sich in der Regel den letzten Keks. Das Ganze ging sogar so weit, dass diese Personen eher dazu neigten, mit offenem Mund zu kauen und mehr zu krümeln. Noch spannender ist, wie die Machtpersonen auf Macht geprimed wurden. Priming ist eine psychologische Technik, mit deren Hilfe bei Versuchspersonen bestimmte mentale Konzepte aktiviert werden. Im Fall mit den Keksen durften die Machtpersonen vor dem Keksexperiment andere Menschen auf ihre Fähigkeiten hin beurteilen … Ergo: Wer andere Menschen beurteilen darf, hat schon eine Machtposition inne …

Macht macht asozial

Zu diesem Phänomen, dass Menschen in Machtpositionen dazu neigen, sozialen Normen immer weniger Beachtung zu schenken, gibt es jede Menge Studien. Das macht Machtmenschen noch lange nicht asozial. Schließlich gilt es in solchen Positionen auch oft unliebsame Entscheidungen zu treffen, was wiederum durch die beschriebene Neigung erleichtert wird. Unangenehm wird es nur, wenn wir uns nicht darüber im Klaren sind, dass Macht unser Verhalten verändert. Wer glaubt, dass das bei ihm anders sei, gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit zu der Gruppe, die immer recht hat. Macht ist nämlich auch sehr eng mit Selbstüberschätzung verknüpft. Der Soziologe Nathanael Fast fand heraus, dass Menschen in Machtpositionen stärker auf ihr Wissen vertrauen als Menschen ohne Macht, obwohl wie sie auch nicht mehr wissen. Fast hat dies mit einem einfachen Fragespiel um Geld rausgefunden. Der Einsatz pro Frage betrug einen Dollar. Wurde die Frage falsch beantwortet, war der Dollar weg. War die Antwort hingegen richtig, gab es zwei Dollar zurück. Je höher die berufliche Hierarchieebene, umso höher die Bereitschaft mitzuspielen, trotz der Warnung, dass es sich um schwierige Fragen handele, die nur 20 Prozent der Teilnehmer im Schnitt beantworten könnten. Das Ergebnis war, dass die Machtmenschen in der Regel mit weniger Geld nach Hause gingen, als die Probanden ohne Machtposition.

Beim Zuhören ist es übrigens genauso. Für Unternehmen ist das fatal. Denn schlechtes Zuhören in der Führungsriege bedeutet: Die Experten werden nicht gehört. Denn Führungskräfte sind keine Experten, selbst wenn sie es mal waren und immer noch im operativen Geschäft mitarbeiten. Die Experten sind diejenigen, die sich den ganzen Tag mit nichts anderem befassen, als mit ihrer Aufgabe. Wenn diese nicht gehört werden, wird es schwierig. Und das ist nur der Faktenanteil des Problems. Der Gefühlsanteil, der den Schaden für das Unternehmen exponentiell in die Höhe treibt, ist, dass Mitarbeiter sich nicht anerkannt und nicht wertgeschätzt fühlen. Denn Zuhören ist gelebte Wertschätzung. Und das scheint in Unternehmen ein großes Manko zu sein. Zumindest zeigt das in jedem Jahr aufs Neue die Gallup Studie. Wirkliches Zuhören, sich selbst und die eigene Meinung mal hinten an zu stellen, wäre ein großer Schritt zur Lösung dieses Problems.

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